Jefta und seine Tochter

Jefta hörte aus dem, was der andere sagte, nur die Bestätigung heraus, daß also in Wahrheit sein ganzes schmerzhaftes Tun Eitelkeit und Narretei gewesen war. Er stand von der Matte auf, lief hin und her; eingesperrt in seine Gedanken lief er zwischen den engen Zeltwänden hin und her, ein Tier im Käfig.

In seinem Innersten ahnte er seit langem, daß sein Gelöbnis und sein Opfer eitel waren; die Ahnung war ihm aufgestiegen gleich nach der Tat, als er sich im Busch verkrochen hatte. Es gab also auch andere, die das ahnten. Wußten. Zumindest dieser Eine wußte es. Es war also nicht Nebel, es war so: er, Jefta, hatte sein furchtbares Gelöbnis getan, um sich den Beistand eines Gottes zu erkaufen, der nicht war. Er hatte sein Bestes, eigenstes Blut für einen Gott vergossen, der nicht war. Jefta der Held, Jefta der Narr. Kein Gott hatte ihm geholfen. Efraim hatte ihm geholfen. Und dafür hatte er die Tochter erschlagen, die liebe, liebliche. Er hatte das beste, röteste Blut seines Leibes um nichts verschüttet.

Lion Feuchtwanger, Jefta und seine Tochter

Auf dem Roman Feuchtwangers bin ich aufgrund der einzigen aus der Spätantike erhaltenen Darstellung des Jefta gestoßen, des biblischen Richters, der ein unbedachtes Gelöbnis macht und deshalb seine einzige Tochter opfert (Buch der Richter, Kap. 11).

am_WILAT_Jagd_Abb_1_Jeftah_Katharinenkloste Die Darstellung, eine Enkaustikmalerei datiert ins 7. Jh., befindet sich in der Marienkirche des Katharinenklosters auf dem Sinai und wurde während der Untersuchungsexpedition mehrerer Universitäten in den 1960ern von Kurt Weitzmann entdeckt und später publiziert. Für einige Jahrhunderte lag das Bild verborgen hinter der Ikone der heiligen Katharina und ließ nur sein Paar sichtbar, eine weitere Enkaustikmalerei, die die Opferung Isaaks zeigt (ein berühmtes Motiv in der frühchristlichen Kunst). Jefta, in der Kleidung eines Soldaten, ist in der Darstellung gerade dabei, die Kehle seiner kleinen Tochter mit seinem Schwert zu durchschneiden. Es ist ein einzigartiges Bild einer Handlung, wie sie möglicherweise nirgendwo sonst in der frühchristlichen Kunst zu finden ist. Das Motiv wird erst in der mittelalterlichen Buchmalerei wieder fassbar. Heute bleibt das Bild dem Besucher des Sinaiklosters wahrscheinlich wieder verborgen, da sich vor dem Altarraum, wo das Bild angebracht wurde, eine Ikonostase steht.

Feuchtwanger hat von diesem Bild nie erfahren. In seinem Roman gibt es auch keine Beschreibung des eigentlichen Opfers, keine Verbildlichung des unsagbaren. Sie ist auch nicht notwendig. Ein Satz, sehr ähnlich dem Satz in der Bibel, “und er tat ihr, wie er gelobt hatte” (Ri 11, 39), ist vollkommen ausreichend.

Es dauerte einige Zeit, bis ich den Roman zwischen studentischem Alltag und Referatsvorbereitungen zu Ende las. Ich bin darüber etwas zwiegespalten. Feuchtwanger ist fantastisch darin, die innersten Gedanken und Gefühlen seiner Figuren zu vermitteln. Das Buch würde sich auch super verfilmen lassen: es geht um Krieg, Besitz, Stolz, Ehre, Intrigen, Liebe, Gier, Neid, Zorn und vieles mehr, was die Menschen so bewegt, allerdings ohne pathetisch oder künstlich zu klingeln. Sondern ganz normal. Ganz menschlich.Vielleicht vor allem geht es aber um Glaube und um die ständige Präsenz eines Gottes, der für jeden anders ist.

Obwohl Feuchtwanger in seinem Nachwort erklärt, dass er sich für die Gesellschaftswandel innerhalb der israelitischen Stämme in der Zeit des Übergangs von Bronze- zur Eisenzeit interessiert hat, des Wechsels zwischen Wandern und Sesshaftigkeit, ist sein Roman für mich vor allem eine Studie der menschlichen Psyche. Was mich am Roman nicht so sehr fasziniert hat und ein bisschen Langweilig war, war die ganze Vorgeschichte, die sich mit den Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Stämmen und über Jeftas Eroberungen lange vor sein Gelöbnis befasst.  Die erste Hälfte ist aber schon sehr nachvollziehbar erzählt und in der Tat notwendig, um den Wandel zu verstehen, der die Figur des Jefta macht. Die Spannung der zweiten Hälfte ist deshalb umso stärker.

Auf jeden Fall ist der Roman sehr lesenswert, obwohl er auch manchmal (wahrscheinlich sehr absichtlich) etwas altmodisch und fern klingt. Ein Film darüber wäre wahrscheinlich leider nicht zu erwarten, obwohl der Stoff auch so viel bietet, was besser gesehen, als gelesen werde sollte (Schlachten, seltsame Rituale etc. etc.) :)

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A musical documentary I can’t wait to see!

Director Stefan Schwietert talks about his new film “Balkan Melodie” (Interview in German). “Balkan melodie” tells the story of the Swiss folk-music collector Marcel Celliers who traveled in Bulgaria and Romania during the communism and made the folk music of these countries popular in the West. What the people in the West (and nowadays also on the Balkans) didn’t now is the role that the communist state played in creating a legend around the folk-songs and used them as a tool for its purposes.

A musical documentary I definitely can’t wait to see!

 

BE a MAN

In Sweden, as in many other countries in the world, women get less paid than men for the same job. The easiest way to get a raise: become a man. This video is from one of Sweden’s Unions campaign (Kommunal) for equal salaries. Women can upload photos of themselves digitally becoming a “man”. You can visit the campaign website at beaman.se

beaman_picture

Lammily

barbie doll vs realistically looking doll lammily

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Finally! Lammily is a humanly looking “Barbie” Doll, made according to the measurements of an average American girl, and not some unrealistically elongated big-eyed fantasy. It is also a really successful crowd funding campaign, that got 169% funding for just 2 days :)  You can visit the official website at lammily.com and the website of the creator of Lammily, Nickolay Lamm.

(All photos are from the Lammily-Website)

Don’t we all…


Gaza, 15. Nov. 2012. Foto: AP/Spiegel online

…And Gaza is not the most polished of cities, or the largest. But she is equivalent to the history of a nation, because she is the most repulsive among us in the eyes of the enemy – the poorest, the most desperate, and the most ferocious. Because she is a nightmare. Because she is oranges that explode, children without a childhood, aged men without an old age, and women without desire. Because she is all that, she is the most beautiful among us, the purest, the richest, and most worthy of love…

Mahmoud Darwish, Silence for the Sake of Gaza

What does it matter who is right und who is wrong, who will win and who will lose? Don’t we all…

Electric is sexy, I’m flying to Oslo

Electric cars, St. Hanshaugen, Oslo by Mikael Floysand.

Norway has the largest share of electric cars per capita driven in Europe. The Parliament of Norway set the goal to reach 50,000 zero emission vehicles by 2018. Read more…

“Putins personal revenge”

Today Nadezhda Tolokonnikova, Yekaterina Samutsevich and Maria Alyokhina were sentenced to two years in jail.

These are some photos from the worldwide protests for their release.

London, Photo: DPA/SZ

The majority of the Russians believes that the process was fair and independent ( according to a survey) (Comment in SZ).

Sao Paolo, Brazil, Photo: AP/SZ

Moscow, Photo: AFP/SZ

London, Photo: Getty Images/Spiegel Online

Moscow, Photo: REUTERS/Spiegel Online

FEMEN, Kiev, Photo: DPA/Spiegel Online

“We all are Pussy Riot”, Sofia, Bulgaria, the old monument of the soviet army with the masks of Pussy Riot, Photo: БГНЕС /DarikNews

The police arrested the world chess champion Gary Kasparov during the protests in Moscow. Photo: REUTERS/SZ

“We are freer than the people sitting opposite us for the prosecution because we can say everything we like, and we do, but those people sitting there say only what political censorship allows them to say.

Their mouths are sewn shut.”

Nadezhda Tolokonnikova in her closing statement.

“They are your children, Russia”, Moscow, Photo: DAPD/FAZ